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 Betreff des Beitrags: schnellere Regeneration nach Infekt
BeitragVerfasst: 17.01.2019 23:12 
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Registriert: 07.09.2010 21:37
Beiträge: 12
Sehr geehrter Herr Prof. Gadola

hier kurz meine Diagnose: Primäres Sjögren-Syndrom (wurde 2009 diagnostiziert) mittelschwere Aktiviät
- ANA 1 : 2560
- SS-A 144 U, SS-B 39 U
- Rheumafaktor hochtitrig positiv
Medikamente: Methotrexat 15mg / 1 x pro Woche (seit Anfang 2019 MTX pausiert, in der Hoffnung, dass mein Immunsystem den Infekt bekämpft - in Absprache mit meiner Rheumatologin)

Immer wieder habe ich Infekte, welche meistens viel länger dauern als bei „normalen" Personen.
Nach einem Infekt dauert es mehrere Wochen bis ich mich wieder fit fühle.
Was könnte ich zur Unterstützung machen, damit ich mich schneller von einem Infekt regeneriere? Haben Sie Erfahrungen, Tipps oder sind in irgendwelchen Studien auf diesem Gebiet getestet worden?

Im Moment bin ich wieder in einer solchen Situation. Mitte Dezember fing es mit einer Erkältungsgrippe an. Diese dauerte bis vor kurzem an. Einen Tag besser, einen Tag schlechter aber immer erhöhte Körpertemperatur und Krankheitsgefühl mit Reizhusten, Halsschmerzen.
Letzten Sonntag kam ein Rückfall. Ich hatte 40 Grad Fieber und es ging mir miserabel.
Im Blutlabor hat man dann auch gesehen, dass die Entzündungswerte sehr hoch waren. Ich weiss nur noch den CRP-Wert war bei 131. Ich bekam Antibiotika.
Heute geht es mir etwas besser, aber ich bin immer noch stark reduziert. Ich merke es braucht noch lange Zeit bis ich wieder auf dem Stand wie vor dem Infekt war.
Helfen ev. irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel oder Vitamine?

Herzlichen Dank für ihre Antwort und freundliche Grüsse
nuppi


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BeitragVerfasst: 18.01.2019 17:18 
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Registriert: 14.11.2006 19:54
Beiträge: 281
Wohnort: Southampton, UK
Sehr geehrte Nuppi,

Es tut mir leid zu hören, dass Sie unter rezidivierenden Infekten (ich vermute es sind immer die Luftwege) leiden.

Es können verschiedene Ursachen zu einer erhöhten Infektgefahr bei Sjögren Syndrom führen:
1) Bronchiales Sicca (Trockenheit)
- Trockene Bronchien sind anfälliger auf Infekterreger:
---Aufgrund der Sjögern-verursachten Schleimhauttrockenheit
---Aufgrund einer nächtlichen Mundatmung (bei Behinderungen der Nasenatmung)
--- Regelmässiges Befeuchten (z.Bsp. Kamillendampfinhalation) kann helfen; eine Abklärung beim HNO Arzt könnte sich lohnen
2) Ein Mangel an Immunglobulinen, entweder im Blut (und im ganzen Körper) oder in Luftwegs-Sekreten (dann nur Immunglobulin A, IgA
- Im Regelfall sind die Immunglobuline bei aktivem primärem Sjögren Syndrom klar erhöht, aber es gibt Immunglobulinmangelzustände welche zu Autoimmunität, inklusive Sjögren Syndrom führen können (d.h. damit assoziiert sind); einen sekretorischen IgA-Mangel müsste man im Speichel oder (besser) Bronchialsekret (d.h. im Auswurf) messen
---In diesem Falle gäbe es die Möglichkeit einer Immunglobulin-Substitution; diese hätte ggf. auch einen positiven Effekt auf das Sjögren Syndrom (da IgG gewisse entzündliche Immunvorgänge beruhigen kann)
3) Ein Lymphom
- Ein B-Zell Lymphom (Tumor der B-Lymphozyten = weisse Blutzellen) kommt nach langjährigem Verlauf in ca. 5% der Pat. mit primärem Sjögren Syndrom vor
---Risikoindikatoren für ein Lymphom bei Sjögren Syndrom können im Blut gemessen werden (es gibt einen Score)
---Bestehen bei Ihnen ausserhalb der Infektperioden folgende Symptome: Gewichtsverlust? Fieber ohne eindeutigen Infekt? Starker Nachtschweiss?
4) Immunsuppressive Medikamente
- MTX kann man bei primärem Sjögren Syndrom versuchen; es gibt aber keine kontrollierten Studien welche einen eindeutigen Nutzen von MTX bei Sjögren zeigen

Zuletzt noch: Es empfielt sich auf jeden Fall jedes Jahr zu impfen gegen Grippe und auch gegen Pneumokokken.

Ich hoffe Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben

Freundliche Grüsse

Prof.Dr.med. Stephan Gadola
Gesundheitszentrum Allschwil
Baslerstrasse 126
CH-4123 Allschwil
+41 61 485 93 93

_________________
Prof.Dr.med. Stephan Gadola
Professor of Immunology & Consultant in Rheumatology, University Hospital Southampton,
Southampton, UK


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BeitragVerfasst: 23.01.2019 15:10 
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Registriert: 07.09.2010 21:37
Beiträge: 12
Sehr geehrter Herr Prof. Gadola

Vielen herzlichen Dank für ihre prompte Antwort. Ich schätze ihre Beratung sehr!
Diesen Herbst werde ich mich gegen die Grippe und Pneumokokken impfen lassen. Die letzten Jahre habe ich es nicht gemacht, weil ich unsicher war ob es sinnvoll ist bei meinem Immunsystem (welches manchmal nicht "normal" funktioniert) und ich jedesmal auf die Impfung reagiert habe mit 1-2 Wochen "krankheitsgefühl", leichte Grippe.
Ihr Vorschläge wegen HNO - bronchiales Sicca und Immunglobuline werde ich bei meiner nächsten Kontrolle mit meinem Rheumatologen besprechen.

Nochmals besten Dank für ihre wertvollen Antworten und freundliche Grüsse
Nuppi


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