Sjoegren Forum

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 Betreff des Beitrags: Ratlos
BeitragVerfasst: 21.08.2012 16:35 
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Sehr geehrter Herr Dr. Gadola

Im Rahmen einer Autoimmunthyreopathie hat sich bei mir eine extreme Augentrockenheit, (Schirmertest pathologisch) und Mundtrockenheit, Speicheltest pathologisch entwickelt. Es bestanden die Symptome am Anfang Jan 2012, wo das Hashimoto entdeckt wurde per Zufall, wegen ständigem Haarausfall, nicht so ausgeprägt, aber trotz guter Einstellung der Schilddrüse hat sich an ihnen nichts positiv verändert. Beide Trockenheitsssymptome haben sich verschlimmert zuerst die Augen ab Februar und dann der Mund ganz stark ab Juni.
Nun sind aber keinerlei Entzündungszeichen, welche auf ein primäres Sjörgen hinweisen würden laut Arzt, der Alles gut testete, vorhanden, und der Arzt (Rheumatologe) schlägt eine Lippenbiopsie vor zur Sicherung, was los ist. Ich hatte nie geschwollene Ohrspeicheldrüsen aber manchmal, und das ganz wenig, etwas Gelenkschmerzen an den Händen, die aber wieder vergingen. Was soll ich tun? Die Trockenheit des Mundes ist mit Salagen viermal täglich erträglich, und ich kann deshalb schlafen- ohne nicht gut trotz Lutschen von Drops, etc. Was wäre nun die Diagnose? So wie ich es verstehe, haben die T-Lymphozyten welche die Schilddrüse angreifen auch die Becherzellen der Augen und die Speicheldrüsen angegriffen und tun das jetzt noch. Aber ist das ein Sjörgen und wenn ja welches, und soll ich zur Lippenbipopsie ja sagen, gibt es nicht auch die Speicheldrüsenbiopsie die spezifischer wäre und dann?
Beste Grüsse und vielen Dank für Ihre Antwort.
Sarah


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24.08.2012 14:34 
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Liebe Sarah,

Die nach Hashimoto benannte Autoimmun-Thyreoiditis kann gleichzeitig mit einem primaeren Sjoegren Syndrom auftreten, also co-existieren. Einige Symptome koennen ueberlappen, so z.Bsp. Muedigkeit und duennes Haar, aber die bei Ihnen vorhandene ausgesprochene Trockenheit der Augen und Mundschleimhaut sprechen fuer das zusaeztliche Vorhandensein eines primaeren Sjoegren Syndroms. Die ebenfalls vorhandenen Gelenkschmerzen passen zu beiden Erkrankungen, und theoretisch gibt es noch eine 3. Moeglichkeit (sind ihre Haende am Morgen oft steiff, so dass Sie sie nicht komplett zu einer Faust schliessen koennen ?), naemlich eine Rheumatoide Arthritis (RA), was ich aber auf Grund ihrer Beschreibungen als weniger wahrscheinlich einstufen wuerde. Die RA ist ebenfalls mit Hashimoto assoziiert und kann auch ein sogennantes "sekundaeres" Sjoegren Syndrom ausloesen.

Zur Diagnostik: Bei Hashimoto sind mindestens 1-2 Auto-Antikoerper gegen Schilddruesengewebe (anti-TPO (anti-Thyroid PerOxidase) und anti-Mikrosomale Antikoerper) zur Diagnose erforderlich.
Beim primaeren (und i.d. Regel auch beim sekundaeren) Sjoegren Syndrom finden sich im Blut die beiden Auto-Antikoerper anti-Ro/SSA und anti-La/SSB.
Es gibt aber auch Patienten ohne diese beiden Antikoerper, welche dafuer anti-Speicheldruesen Antikoerper haben und an starker Mundtrockenheit (aber nicht Augentrockenheit) leiden.
Eine Lippenbiopsie kann die Diagnose bestaetigen oder ausschliessen. Sie sollte von einem in dieser Technik versierten Facharzt (gewoehnlich ein HNO Arzt) durchgefuerht werden. Manchmal treten danach lokal Empfindungsverlust oder Schmerzen auf, aber in den allermeisten Faellen - und wenn vom Facharzt durchgefuehrt - sollte dies nicht passieren.
Bei der Rheumatoiden Arthrtitis finden sich typischerweise der "Rheumafaktor" (aber dieser ist NICHT spezifisch fuer RA) und/oder anti-CCP Antikoerper (spezifisch fuer RA).

Zur Therapie: Schilddruesenhormon-Substitution bei Hashimoto. Wird uebersubstituiert, also deutlich zuviel Schilddruesenhormon gegeben, dann koennen Symptome einer Ueberfunktion auftreten, welche ebenfalls Mund//Augentrockenheit beinhalten - das kann aber klinisch meist differenziert werden.
Beim primaeren Sjoegren wird derzeit nur symptomatisch therapiert (z.Bsp. Salagen und Augentropfen). Tipp: Aldiamed Mundgel (www.Aldiamed.com) ist ausgezeichnet und wird von Patientinnen oft sehr geschaetzt. Bei kurzer Krankheitsdauer koennten - im UniZentrum - neue Biologica-Therapien erwogen werden, aber dafuer braucht es eine eindeutige Diagnose.

mit freundlichen Gruessen

_________________
Prof.Dr.med. Stephan Gadola
Professor of Immunology & Consultant in Rheumatology, University Hospital Southampton,
Southampton, UK


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BeitragVerfasst: 25.08.2012 16:14 
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Sehr geehrter Herr Prof.
Ich möchte mich für Ihre ausführliche Antwort sehr bedanken, auch wenn Sie mich etwas geschockt hat. Ich werde die Biopsie wohl bei einem Facharzt HNO, der damit Erfahrung hat, machen lassen.
Ich habe sehr viel Angst, wegen dem Sjörgen-Syndrom, da ich überall lese, die Symptome seien IMMER progredient und werden also schlimmer, und ich kann mir nicht vorstellen, wie ich damit noch weiter viele Jahre leben soll (ich bin 51 und habe zwei noch Kinder in Ausbildung, anspruchsvoller Beruf als Richterin etc.) wenn diese Mund- und Augentrockenheit mich jetzt schon manchmal invalidisiert. Und das soll nie mehr weg gehen, frage ich mich. Und schlimmer werden?
Ist es wirklich so, dass die Symptome in jedem Fall progredient sind, wie schnell etwa und was meinen Sie mit bei früher Krankheitserkennung biologischen Methoden an Unikliniken?
Danke für Ihre Antwort und viele, viele Grüsse nach UK
Sarah


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 26.08.2012 20:59 
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Sehr geehrte Sarah,

Zunaechst tut es mir leid wenn Sie meine Antwort so sehr beunruhigt hat. Ich moechte relativieren, dass die eine definitive Diagnose bei Ihnen ja noch nicht gestellt wurde, und das das Sjoegren-Syndrom durchaus behandelbar ist. Auch wenn derzeit meist symptomatisch behandelt wird besteht die Moeglichkeit einer immun-modulierenden Behandlung - falls ein Sjoegren Syndrom oder aehnliche Erkrankung diagnostiziert wird; Es gibt immer Moeglichkeiten! Immunmodulierende Behandlungen sollten von einem Rheumatologen oder klinischen Immunologen mit Erfahrung in der Behandlung (und Diagnostik) dieser Erkrankungen durchgefuehrt werden. In der Schweiz ist dies gluecklicherweise kein grosses Problem, da die Dichte der Uni-Kliniken mit Rheumatologie/klinischer Immunologie gut ist.

Ich rate Ihnen daher, vorerst einmal die weiteren Ergebnisse abzuwarten, d.h. Resultat der Lippenbiopsie, und evt. - falls noch nicht gemacht - weitere Antikoerper-Diagnostik (ANA und ENA, inklusive anti-dsDNS Antikoerper; anti-Ro/SSA; anti-La/SSB; zusaetzlich auch anti-Cardiolipin). Sie koennen mir die Ergebnisse gerne durchgeben und ich werde Sie weiterhin beratend unterstuetzend sofern erwuenscht.

mit freundlichen Gruessen

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Prof.Dr.med. Stephan Gadola
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 Betreff des Beitrags: Laborwerte
BeitragVerfasst: 28.08.2012 19:42 
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Sehr geehrter Herr Prof. Gadola

Vielen Dank, dass Sie mir so nett geschrieben haben.
Ich habe eine lange Liste mit Laborwerten, welche ich Ihnen gerne schicken würde, aber ich kann sie nicht hier herein kopieren, es ist ein technisches Detail, welches ich nicht verstehe. Es wurden, wie ich sehe, alle Blutwerte und sämtliche mögliche Antikörper bestimmt und sie sind alle unauffällig, ausser die Werte anti-Cardiolipin wurden nicht bestimmt.
Alles andere ist im Normbereich. Deshalb besteht der Rheumatologe auch so auf die Lippenbiopsie, da die extreme Mundtrockenheit, die er gemessen hat und die Augentrockenheit sehr pathologisch sind wie er sagt und er aber keine Entzündungswerte und Antikörper sonst findet.

Ich würde Ihnen die Werte gerne schicken, aber beim Kopieren gelang es nie, es ist ein technisches Detail, welches ich Brigitta fragen muss.
Ich weiss nicht, ob es erlaubt ist, nach Ihrer E-Mail-Adresse zu fragen, dann könnte ich Ihnen die Werte per Anhang schicken.

Ich bin sehr froh, dass es Sie gibt.
Bis bald

Sarah


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BeitragVerfasst: 01.09.2012 17:01 
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sehr geehrte Sarah,

Ihre Angabe, dass alle Autoantikoerper ausser Anti-Cardiolipin gemessen und als normal befunden wurden genuegt mir. Die Anti-Cardiolipin Antikoerper eruebrigen sich, wenn keine Thrombosen in der Vergangenheit aufgetreten sind.

Die Diagnose Sicca-Syndrom (trockene Augen und Mund) ist nicht gleichbedeutend mit der Diagnose Sjoegren Syndrom. Ein Sicca-Syndrom kann auch rein funktioneller Natur sein - wie jeder aus eigener Erfahrung weiss kann der Mund bei Stress/Aufregung trocken werden, und zu langes Arbeiten am Bildschirm macht trockene Augen. Ausserdem koennen verschiedene Medikamente (z.Bsp. gewisse Antidepressiva) Trockenheit machen.

Ein Therapieversuch mit Salagen (Pilocarpin !% Loesung) waere zu erwaegen und koennte bei der Unterscheidung funktionell versus organisch (durch entzuendlichen Schaden der Druesen mit Verminderung der total Speicheldruesenfunktion) helfen.

mit freundlichen Gruessen

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Prof.Dr.med. Stephan Gadola
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 Betreff des Beitrags: Antwort an Prof. Gadola
BeitragVerfasst: 01.09.2012 19:53 
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Sehr geehrter Herr Prof. Gadola

Da die Mundtrockenheit persisitierend stark und auch die Augentrockenheit so stark, dass der Augenarzt sicher war, es sei autoimmun und das mit den Augen ungefähr mit dem Beginn der SD-Problematik der Hashimotothyreoiditis einherging, haben alle Abklärungen bezügl. Sjörgen erst angefangen.
Es war zeitweise so, dass ich bis in die Bronchien, (so gefühlt), so stechende Schmerzen hatte und der Rheumatologe hat mir im Juli Salagen 5mg verschrieben. Erst wollte ich es nicht nehmen, da ich so furchtbar damit schwitzte, dann, als es schlimmer wurde, habe ich es genommen und damit geht es im Moment besser. Die Augen waren so trocken, dass ich alle halben Stunden befeuchten musste, von den Wechseljahren war es nicht, denn ich nehme etwas Oestrogen/Gestagen

Ich nehme die Tabletten alle 6 Stunden. So kann ich schlafen und habe genug Speichel, dass es beim Essen nicht weh tut und beim Schlucken, und es tut nicht so weh im Mund und bis in den Magen. Deshalb denkt der behandelnde Rheumatologe, es sei eher autoimmun und will auch die Lippenbiopsie, vermute ich.
Auch mir wäre natürlich lieber, ich hätte kein Sjörgen-Syndrom und ich hätte "nur" diese Sicca-Problematik.
Aber Sie meinen, die Tatsache, dass das Salagen sehr hilft, könnte auf Sjörgen hinweisen?

Danke für Ihre Antwort.
Auch ich grüsse Sie freundlich nach UK und danke Ihnen herzlich für Ihre Bemühungen um meine Krankheitsgeschichte.
Viele Grüsse

Sarah


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BeitragVerfasst: 06.09.2012 21:23 
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Sehr geehrte Sarah,

Die Tatsache, dass das Salagen gut hilft ist auf jeden Fall sehr positiv, denn es bedeutet, dass die Druesen noch ausreichend funktionstuechtig sind.
Die gute Wirkung von Salagen heisst allerding nicht unbedingt, dass es sich um ein Sjoegren Syndrom handelt, schliesst letzteres aber auch nicht aus.
Beim Sjoegren Syndrom werden die Druesen durch eine Entzuendungsreaktion ueber laengere Zeit durch Narbengewebe ersetzt und dann hilft Salagen nicht mehr. Andererseits gibt es Behandlungsmoeglichkeiten in den frueheren Stadien bei Sjoegren Syndrom, d.h. solange die Druesen funktionstuechtig sind.
Ich glaube zu spueren, dass Sie endlich Klarheit ueber die Diagnose wuenschen und daher denke ich, dass die Lippenbiopsie - vom Spezialisten durchgefuehrt (und falls moeglich sollte eine Immunhistochemie auf CD20+ B-Zellen durchgefuehrt werden) - fuer Sie wichtig sein wird.

mit freundlichen Gruessen

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Prof.Dr.med. Stephan Gadola
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 Betreff des Beitrags: Eingeholt
BeitragVerfasst: 26.11.2012 17:42 
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Sehr geehrter Herr Prof. Gadola

Ich habe Ihren Rat beherzigt und nun findet am Donnerstag endlich die Lippenbiopsie statt. Früher konnte sie aus versicherungstechnischen Gründen nicht gemacht werden. Inzwischen hat mich die Sicca-Problematik in Mund und Augen und Magen (?) dermassen eingeholt, dass ich nach dem Arbeitstag am Gericht jeweils weinend auf der Bank für den Zug sitze und mich nach Hause schleppe um dort mit einer Wärmeflasche auf dem Bauch den Abend zuzubringen, meine Familie muss alles übernehmen. Neben Gelenkschmerzen an den Händen und am Knie, die jedoch erträglich sind, habe ich enorme Magenschmerzen oder Bauchschmerzen, es fühlt sich an, als hätte ich Steine im Bauch und ich kann kaum damit leben.
Der Stuhl ist heller als sonst und ich bin, obwohl ich viel trinke eher verstopft. Mein Hausarzt will die Lippenbiopsie abwarten, bevor er etwas unternimmt, aber ich habe mich heute alleine zu einem Gastroenterologen angemeldet, (bei den meisten muss man drei Monate warten), der vorab mal einen Ultraschall machen will.
Ich nehme an, es ist von der Trockenheit, aber sieht man das im Ultraschall? Es ist so ein Schmerz und unangenehmes Gefühl, dass ich verzweifle.
Wissen Sie, was es sein könnte? Ich habe Säureblocker probiert, sie helfen nur kurzzeitig. Meine Apothekerin meint, es könnte ein Mangel an Magenschleim oder Enzymen sein und Kreon könnte helfen. Auch habe ich Angst, dass bei der Lippenbiopsie "nichts" raus kommt wie bei den Antikörpern. Was mache ich dann? Dann nimmt mich wohl niemand mehr ernst? Wird dieser Schmerz immer bleiben, wie das mit den Augen und dem Mund?
Liebe Grüsse und vielen Dank für Ihre Antwort
Sarah


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BeitragVerfasst: 27.11.2012 20:26 
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Sehr geehrte Sarah,

Es tut mir sehr leid zu hoeren was Sie derzeit durchmachen. Die Bauchschmerzen gehoeren nicht zum Sjoegren Syndrom, und auch nicht die Verstopfung. Andererseits sind diese Symptome recht unspezifisch, d.h. die Ursachen koennen "funktionell" ("irritable bowel syndrome"), entzuendlich, oder anders verursacht sein. Fuer Sie interessant koennte sein, dass das "Irritable bowel syndrome" ist oft mit einem Fibromyalgie Syndrom vergesellschaftet, welches Gelenkschmerzen macht, aber keine Entzuendung der Gelenke (und deshalb auch nicht zu einem Schaden an den Gelenken fuehrt). Beide diese Syndrome sind ausserdem nicht selten mit Trockenheitssymptomen verbunden, welche durch aeusseren Stress noch akzentuiert werden. Falls die Lippenbiopsie negativ ist waere dies eine moegliche Erklaerung fuer Ihre Beschwerden.

Aufgrund der Intensitaet und des offensichtlichen Leidensdrucks sollten diese Symptome aber auf jeden Fall internistisch gruendlich abgeklaert werden. Natuerlich kann ich auf Distanz nur sehr bedingt diagnostische Empfehlungen geben, aber es scheint mir klar, dass fuer Sie eine rasche und gruendliche Abklaerung sehr wichtig ist, zumal sie die Situation sowohl arbeitsmaessig wie auch zuhause enorm belastet. Ultraschall ist ein guter Start, aber falls sich keine Erklaerung findet muessten weitere Untersuchungen (Endoskopie, CT/MRI) je nach klinischem Ermessen (Ihr Gastroenterologe) erwogen werden.

Ich wuensche Ihnen viel Kraft und Zuversicht fuer die kommenden Monate.

PS: Vieleicht habe ich das frueher schon erwaehnt: Das Vitamin D3 sollte bei Ihnen gemessen werden, und fall klar zu tief, dann sollte Vitamin D3 substituiert werden. Lassen Sie mich den Wert wissen, fallls/wenn gemacht.

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Prof.Dr.med. Stephan Gadola
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BeitragVerfasst: 04.12.2012 09:44 
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Sehr geehrter Herr Prof. Gadola

Ich danke Ihnen sehr für Ihre ausführliche Antwort. Inzwischen war ich beim Magenspezialisten vorstellig geworden, der hat geröngt und einen Ultraschall gemacht, aber eigentlich so nichts Auffälliges gefunden, ausser Verstopfung. Er will nun auch das Resultat der Lippenbiopsie abwarten, das in den nächsten Tagen kommt.
Er hat mir eine Laxativum (Movicol) verschrieben und Iberogast.
Seither bin ich nicht mehr so verstopft.

Die Beschwerden mit dem Trockenheitsgefühl, als hätte ich "Steine im Bauch", sind aber wieder gekommen und auch der zeitweise Durchfall, plötzlich, wie angerührt.
Der Magenspezialist war sich auch nicht sicher, ob es nicht eine Nebenwirkung des Salagen sein könnte, aber ich hatte dieses Medikament eine Woche weg gelassen, und es war gleich oder ähnlich.

Ich will jetzt aber noch ein paar Tage zuwarten und tapfer sein, bis ich wieder zu ihm gehe.

Das Vitamin D war Anfang dieses Jahres viel zu wenig und wurde substituiert, wie es jetzt ist, weiss ich nicht, aber ich werde fragen, ob man es messen könnte.

Ich habe im deutschen Sjörgenforum gelesen, das auch andere Betroffene diese Bauchschmerzen mit Durchfall etc. hatten und bei diesen Betroffenen, war es die Bauchspeicheldrüse, autoimmun bedingt. Könnte es auch das sein?

Was ich bei mir nicht hoffe, aber wenn die Beschwerden so bleiben, werde ich die Ärzte vielleicht bitten müssen, das zu untersuchen?

Ich stelle auch fest, dass manche Ärzte einfach fast nichts über das Sjörgensyndrom wissen und da man mir die Beschwerden nicht gut ansieht und ich noch in einem prima vista guten AZ bin, man mich unterschiedlich ernst nimmt, da ich, wie ja schon erwähnt, keine Antikörper habe.
Wer es sehr ernst nimmt sind Augenärztin und Zahnärztin und Endokrinologe, aber er kann nichts tun.
Wenn jetzt in der Lippenbiopsie auch nichts herauskommt, weiss ich nicht, ob mich jemand jemals ernst nimmt.
Klar, die klinischen Symptome sind da, Augen und Mund und jetzt noch diese unspezifischen Magen oder Bauchsymptome.

Wegen der Fibromyalgie haben sie die "Tenderpoints" geschaut und nichts gefunden.

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle danken für Ihr Engagement und Ihre Antworten. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass Sie das machen.

Ich kann Ihnen aber nicht mehr geben als in Worten vielmals zu danken!

Auch ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und werde Sie informieren, wenn das Resultat der Lippenbiopsie da ist, wenn ich mir das erlauben darf.

Hochachtungsvoll und mit guten Wünschen
Sarah


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BeitragVerfasst: 05.12.2012 16:44 
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Sehr geehrte Sarah,

Es liegt jetzt an ihrem Gastroenterologen zu entscheiden ob eine Endoskopie indiziert ist oder nicht. Ultraschall ist o.K. fuer die soliden Organe, kann aber nicht ein Magengeschwuer, eine Magenentzuendung oder eine Entzuendung des Duenndarms sehen (nicht sensitiv fuer dies Indikationen).
Eine Bauchspeichelbeteiligung kommt bei primaerem Sjoegren Syndrom vor, welches aber in allen Faellen Auto-Antikoerper-positiv ist, was bei Ihnen nicht zutrifft.
Auch wenn bei Ihnen Vitamin D substituiert worden war, dann mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht genuegend! Die ueber die normale Apotheken erhaeltlichen Vitamin D Praeparate enthalten in der Regel nicht mehr als 300-400 Einheiten (IU), was bei klarem Mangel an Vitamin D3 nicht genuegend ist. Besser ist deshalb eine Substitution mit 300,000 IU, z.B. in Kapselform (6 Kapseln a 50,000 IU, eine Kapsel pro Woche). Was auch oft nicht richtig gemacht ist: Vitamin D muss mit fetthaltiger Nahrung eingenommen werden (nicht einfach mit Wasser zum Kaffee am Morgen runterspuelen), da Vitamin D ein fettloesliches Vitamin ist - es wird ansonsten nicht vom Koerper aufgenommen. Eine Kontrollmessung (falls die letzte Messung schon laenger als 3 Monate zurueckliegt) waere angebracht - dann adequate Substitution, und nochmalige Messung nach Substitution. Falls Vitamin D nicht angestiegen, koennten tatsaechlich auch entzuendliche Ursachen im Duenndarm vorliegen. Es sollte in dieser Hinsicht auch das Speichereisen (Ferritin) gemessen werden.

mit freundlichen Gruessen

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Prof.Dr.med. Stephan Gadola
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 Betreff des Beitrags: Klarheit
BeitragVerfasst: 15.12.2012 13:56 
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Wohnort: Zürich
Sehr geehrterHerr Prof. Gadola

Nun ist es klar. Die Lippenbiopsie ergab Entzündungen in den Speicheldrüsen und so nach Aussage der Ärzte am Immunologiezentrum Zürich ein Sjörgen-Syndrom mit Hashimoto-Thyreoiditis. Sekundär also??
Nun, Sie wollen kein Cortison einsetzen, da ich keine Antikörper und keine erhöhte Entzündungswerte im Moment habe und ich nehme einfach die Salagen und die sonstige symptomatische Therapie für Augen und Mund.

Das mit den Gelenken hat sich beruhigt, ebenso der Magen oder Darm oder was auch immer es war, unter Iberogast und Molvicol.
Dem Gastroenterologen sei Dank!

Nun meine Werte für Ferritin: 67 (Ref.Werte 30-400), Vitamin D3: 27,6 (Ref. 30-70) TSH 0.99, FT3 3.72 (gesunken von 4,4,7) in einem Monat und FT4 15,2, dies mit Substitution von 67.5 Euthyrox/d.
Blutwerte o.k.

Soll man jetzt D3 substituieren, fragt der Hausarzt?
Liebe Grüsse und danke für Ihre bisherige Begleitung.

Es ist psychisch einfacher, die Krankheit nun zu wissen, aber auch manchmal schwerer, noch im Moment.
Ganz dankbare Grüsse nach England:
Sarah


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.12.2012 18:15 
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Registriert: 14.11.2006 19:54
Beiträge: 271
Wohnort: Southampton, UK
Sehr geehrte Sarah,

Das haengt ab von der Messeinheit. Falls 27 mikrogramm/L, dann waere derzeit keine Substitution notwendig; falls aber 27nmol/L, dann waere eine Vitamin D3 Substitution indiziert.


mit freundlichen Gruessen

_________________
Prof.Dr.med. Stephan Gadola
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Southampton, UK


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 Betreff des Beitrags: Dankeschön
BeitragVerfasst: 09.01.2013 10:10 
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Registriert: 28.06.2012 18:04
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Wohnort: Zürich
Sehr geehrter Herr Prof. Gadola

Ich möchte mich für Ihre Hilfe im letzten Jahr bedanken und Ihnen verspätet, aber dennoch ehrlich ein gutes Neues Jahr wünschen.

Meine Gelenkbeschwerden und Magenbeschwerden sind besser geworden, aber ich bin eindeutig sehr anfällig für Infekte und nicht mehr 100% arbeitsfähig, wie ich nun merken muss. Die Trockenheit im Mund und Augen sind persistierend, wie das wohl nun bleiben wird und kann ja nur symptomatisch bekämpft werden, wie man mir erklärt, ausser ich würde vielleicht Kortison nehmen, aber da findet der gegenwärtige Spezialist, das sei nicht nötig.
So bin ich nun daran mich mit der Krankheit und der ständigen Trockenheit irgendwie zu arrangieren und mein Leben dem anzupassen und werde ws. den Beruf wechseln müssen, weil auf dem Gericht können sie nur wirklich Gesunde gebrauchen, eigentlich. So ist es halt nun mal in der jetzigen Zeit.

Auf jeden Fall nochmals Dankeschön und eine gute Zeit wünscht Ihnen
Sarah


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