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Diagnose-und Biopsie-Möglichkeiten beim Sjoegren-Syndrom
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Autor:  Brigitta [ 10.05.2018 12:52 ]
Betreff des Beitrags:  Diagnose-und Biopsie-Möglichkeiten beim Sjoegren-Syndrom

Interview mit Herr Prof. Dr. Stephan Gadola

Sehr geehrter Herr Gadola,

Bei unseren Sjoegren-Treffen werden immer wieder zwei zentrale Fragen aufgeworfen:


Frage 1: Wie kann ein primäres Sjögren Syndrom diagnostiziert werden?

Antwort von Herr Prof. Gadola:

Die Diagnose eines primären Sjögren Syndroms wird dann erwogen, wenn typische Trockenheitssymptome (Sicca Syndrom), insbesondere der Augen und der Mundschleimhaut bestehen.
Hier zählen einerseits die subjektiven Symptome der Patientin, also das Empfinden von Augen- und/oder Mundtrockenheit, andererseits aber auch die objektiv feststellbaren Zeichen eines Sicca Syndroms.
Zu diesen zählen zum Beispiel der Schirmer Test, welcher über die Tränenproduktion Auskunft gibt, und der Speichelfluss.
Da aber Trockenheitssymptome, sowohl subjektive wie auch objektive, häufig sind, und in den allermeisten Fällen nicht Ausdruck eines primären Sjögren Syndroms, müssen zusätzliche Kriterien herangezogen werden.
Hierzu stehen sowohl Blutwerte, wie auch bildgebende Verfahren oder eine Gewebeprobe zur Verfügung.
In den allermeisten Fällen kann die Diagnose aufgrund der Befunde im Blut gestellt werden.
Zusätzlich hat sich in meiner Erfahrung die Ultraschallschalluntersuchung der grossen Speicheldrüsen (Ohrspeicheldrüsen und submandibuläre Drüsen) bewährt.
Beim primären Sjögren Syndrom handelt es sich ja um eine autoimmune Entzündungskrankheit gerade dieser Drüsen, und bei chronischer Erkrankung können die Veränderungen in diesen Drüsen gut durch Ultraschall, aber auch andere bildgebende Untersuchungen (MRT) dargestellt werden. Die Ultraschalluntersuchung ist besonders praktisch, da sie vom geübten Arzt direkt in der Praxis durchgeführt werden kann, und die Patienten sehen den Befund mit eigenen Augen. Eine komplett normale Ohrspeicheldrüse im Ultraschall lässt an der Diagnose eines primären Sjögren Syndroms zweifeln, insbesondere bei längerem Krankheitsverlauf (>1 Jahr).
Bei wirklich schwieriger Diagnosestellung, weiterbestehendem dringenden Verdacht, und wenn das Resultat Konsequenzen für den Patienten hat, kann eine Biopsie vorgenommen werden (siehe Frage 2).


Frage 2: Was gibt es für Biopsie-Möglichkeiten und was sind deren Vor- und Nachteile?

Antwort von Herr Prof. Gadola:

Am häufigsten werden immer noch Lippenbiopsien durchgeführt. Diese sind gelegentlich mit sehr unangenehmen Nebenwirkungen wie Gefühlsverlust, Vernarbungen und Schmerzen begleitet, insbesondere wenn zu tief biopsiert wird. Die Interpretation der Biopsie Resultate kann zudem manchmal schwierig sein und sollte durch einen in dieser Erkrankung erfahrenen Patholgen erfolgen; Entzündliche Veränderungen der Lippenschleimhaut mit Infiltration von Immunzellen kommt auch bei Nicht-Sjögren Patientinnen vor. Aus diesem Gründen bevorzuge ich, falls eine Biopsie wirklich notwendig scheint (siehe Frage 1) die Ultraschall-gesteuerte Nadelbiopsie der grossen Speicheldrüsen, welche von einem darin geübten Arzt ausgeführt wird. Es besteht ein kleines Risiko, dass bei einer Biopsie der Ohrspeicheldrüse der Gesichtsnerv beschädigt werden könnte, aber das Risiko ist bei guten Kenntnissen der Anatomie wirklich sehr klein. Ausserdem kann auch die submandibuläre (Unterkiefer) Drüse biopsiert werden. Allerdings würde ich bei komplett normalem Ultraschallbild der grossen Speicheldrüsen nur im absoluten Ausnahmefall eine Biopsie empfehlen.


Besten Dank für Ihre sehr informativen Antworten!

Brigitta Buchmann

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