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BeitragVerfasst: 16.05.2011 17:08 
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Augenmedikamente lösen bei einigen Menschen lebensbedrohliche Reaktionen aus.


© Sonntagszeitung; 15. 05. 2011; Nummer 20; Seite 71
Von Claudia Nientit

GesundheitWissen

Seit einigen Wochen leidet die herzkranke Susanne M. immer wieder unter Herzstolpern und Schwindel. Zudem stossen die Wimpern
der 76-Jährigen plötzlich an die Brillengläser. Als M. die Brille neu richten lässt, gibt ihr der Optiker einen Hinweis: All ihre Beschwerden könnten durch die Augentropfen verursacht werden, die sie seit einiger Zeit gegen zu einen hohen Augendruck (Glaukom) nimmt.
Tatsächlich: Ein kleiner Tropfen ins Auge kann bei einigen Menschen lebensbedrohliche Asthmaanfälle, Herzprobleme und Immunreaktionen auslösen.
<< Viele Jahre hat man den unerwünschten Wirkungen von Augenmedikamenten viel zu wenig Beachtung geschenkt>>, sagt Torsten Schlote, Augenarzt von der Tagesklinik Ambimed in Basel.
Mit Kollegen aus Deutschland und der Schweiz hat er kürzlich ein Fachbuch
zu dem Thema veröffentlicht.
Die Medikamentenversorgung des Auges hat ihre Tücken.
Soll ein Wirkstoff etwa als Tablette eingenommen ins Auge gelangen, muss dieser sehr hoch dosiert werden. Gleiches gilt für die Augentropfen. Nur rund fünf Prozent der in Tropfen, Salben und Gels enthaltenen Wirkstoffe gelangen wirklich ins Innere des Auges.
Schon nach fünf bis zehn Minuten lassen sich an der Augenoberfläche keine wirksamen Medikamentenmengen mehr nachweisen.

Ein Teil der Arzneien gerät ins Blut und zu allen Organen

Ein Teil der Tropfen läuft meist schon beim Einträufeln über das Gesicht davon, weil die von handelsüblichen Spendern abgegebenen Tropfen grösser sind als das Fassungsvermögen des sogenannten Konjunktivalsacks des Unterlids.
Der grösste Teil der Augentropfen vermischt sich jedoch mit der Tränenflüssigkeit und verschwindet über deren Abflusswege.
Und hier liegt eines der Hauptprobleme: Beim Passieren der aufnahmefreudigen Nasenschleimhaut gelangt ein Teil der Arzneien ins Blut und über den Kreislauf zu allen anderen Organen.
Das kann laut Torsten Schlote zu unerwünschten Wirkungen der Medikamente führen.
Beispiel Timolol, eine Substanz, die häufig gegen erhöhten Augendruck (Glaukom) eingesetzt wird.
Dieser Betablocker bewirkt über die Hemmung bestimmter Rezeptoren,
dass der Druck im Auge sinkt.
Gelangt der Wirkstoff jedoch in den Blutkreislauf, so kann er über die gleichen Rezeptoren an den Bronchien Asthmaanfälle und am Herzen Rhytmusstörungen auslösen.
Zudem stürzen Patienten, die Timolol-Tropfen nehmen, häufiger als ihre Altersgenossen.
Oft wird Timolol, wie bei Susanne M., auch in Kombination mit sogenannten Prostaglandin-Analoga wie Latanoprost oder Bimatoprost eingesetzt.
Diese Wirkstoffe stimulieren unter anderem die Haarfolikel.
Die Folge: Die Wimpern beginnen zu wachsen.
In den USA macht sich die Kosmetikbranche diesen Effekt sogar zu Nutzen und vertreibt eine entsprechenden Wirkstoff für einen schöneren Augenaufschlag.

Allergien gegen Antibiotika und Entzündungshemmer

Wie die meisten anderen Medikamente können Augentropfen auch Immunreaktionen auslösen. Am häufigsten sind dann Allergien, etwa gegen die enthaltenen Antibiotika oder Schmerz- und Entzündungshemmer wie Diclofenac.
Selten, aber gravierend sind das Stevens-Johnson-Syndrom und die topische epidermale Nekrolyse, bei denen sich Haut und Schleimhäute am ganzen Körper entzünden und in grossen Blasen ablösen.
So wurde etwa nach der Gabe von Augentropfen mit bestimmten Antibiotika (Sulfacetamid, Chloramphenicol) über solch lebensbedrohliche Reaktionen berichtet.

Nach der Tropfenabgabe auf die Tränenwege drücken

Um Komplikationen vorzubeugen, hat Schlote drei Tipps:
Zum einen sollte der Hausarzt über die Einnahme von Augenmedikamenten informiert weden.
Zum anderen muss auch der Augenarzt über alle Vorerkrankungen, Risiken und Therapien seiner Patienten Bescheid wissen.
Der dritte Rat ist der praktischte:<< Schliessen Sie nach der Tropfengabe
ein bis zwei Minuten das Auge und drücken Sie auf die ableitenden Tränenwege bei der Nasenwurzel:>> Dadurch wird die Resorption der Wirkstoffe über die Nasenschleimhaut verhindert.


Diese Medikamente können die Augen schädigen


Augentropfen können unerwünschte Wirkungen in anderen Organen
auslösen.
Umgekehrt haben viele Medikamente auch unerwünschte Wirkungen im Auge. Einige Beispiele:


>Amiodaron ist ein bewährtes Mittel gegen Herzrhytmusstörungen. Bei einigen Patienten wird dadurch jedoch der Sehnerv geschädigt.

<Retinoide lindern Akne, in dem sie die Talgdrüsen austrocknen lassen. Das gleiche passiert auch mit den Meibom-Drüsen der Unterlieder. Die Augen werden trocken und können sich entzünden.

<Chloroquin wird gegen Malaria und Rheuma eingesetzt. Bei langfristiger, hoch dosierter Anwendung wird die Netzthaut geschädigt.

Bei Hydroxychloroquin geschieht dies seltener.

<Tamsulosin bewirkt über die Hemmung bestimmter Rezeptoren, dass sich die Muskulatur der Harnwege bei vergrösserter Prostata entspannt. Die gleichen Andockstellen gibt es auch an der Regenbogenhaut des Auges. Bei Staroperationen kann dies zu erheblichen Problemen führen.

Herzliche Grüsse
Brigitta

_________________
Das Gestern ist fort,
das Morgen nicht da.
Leb' also heute!

Pythagoras von Samos


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